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Der Elch

Gestern stand im frühmorgendlichen Dunkeln ein Elch vor der Tür.

Nun, es ist Advent, und in der Vorweihnachtszeit sind Elche nun nicht ganz so selten wie man annehmen sollte. So haben wir zum Beispiel schon den Adventskalenderelch. Die Kinder sind davon überzeugt, dass er in der Nacht zum 01. Dezember auf geheimnisvolle Weise durch das Küchenfenster geflogen kommt und sich an die Wand hängt, seine roten und grünen Säckchen gefüllt mit Schokolode. Über die Frage, ob der Elch seine Säckchen jedes Jahr im gleichen Muster anordnet oder ob sie einen Kreis bilden, sind sie sich am 30.11. massiv in die Haare geraten. Wortwörtlich. Auch der  wohlmeinde mütterliche Hinweis, dass auch ein Kreis ein Muster ist, konnte die erbosten Gemüter nicht besänftigen.

Dieser neu angekommene, im Dunkeln vor der Tür lauernde Elch ist etwa 30 cm hoch und und ein bisschen unförmig. Er trägt eine blau-weiss gestreifte Pudelmütze mit weisser Flauschborte und aus unklaren Gründen zu dem dazu passenden Schal noch eine rote Schleife um den Hals. Ausserdem ein Hinweisschild mit einer durchgestrichenen Mülltonne auf der Rückseite. Das finde ich wirklich sehr vorausschauendend.

Der Elch kann singen und tanzen. Wenn man es freundlich ausdrücken will. Jedenfalls ist er ein Highlight für die Kinder. Blechern schmettert es schon um 6.30 Uhr lautstark "feliz navidad" und "I wish you a merry christmas" durch die Zimmer. Auch die Zwangspause während des Zähneputzens und Anziehens wärt nicht lange. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die beiden in ihre Klamotten werfen können, wenn der Elch wartet.

Woher der Elch kam, ist ungewiss. Wir verdächtigen elternfeindliche Nachbarn im Weihnachtsrausch. Aber die Ermittlungen verliefen bislang ergebnislos.

Und so wird der Elch - wenn die Batterien halten- wohl auch heute den ganzen Nachmittag singen und tanzen.

Feliz Navidad! 

 

 

10.12.15 10:58


Dienstag, 08. Dezember 2015

Die Würgegeräusche beginnen nahezu zeitgleich mit dem Wecker. Kein Drama - Kotze ist nicht mein Job, dafür bin ich verheiratet. Also kann ich noch ein bisschen liegen bleiben, während der Göttergatte sich aus dem Bett quält und die Hinterlassenschaft des Teufelhundes zwischen Bett und Tür wegputzt. Dann gegen die Tür stösst, an der meine gestern sorgsam ausgewählten Klamotten für den heutigen Tag hängen ...

Früher stand ich um 6 Uhr morgens auf, zog meine Joggingsachen an und lief erstmal 1/2 Stunde mit den damals 3 Hunden. Dann gab es einen Kaffee, eine Dusche, gebügelt im Schrank hängende Kleidung, aus der ich auswählen konnte - und um 8 war ich im Büro.

Heutzutage beginnt der Tag am Abend vorher, indem aus dem Berg ungebügelter Wäsche - so hoch getürmt, dass man zum Besteigen wahrscheinlich schon ein Sauerstoffgerät braucht - ausgewählt wird, was frau und Kinder am nächsten Tag anziehen wollen oder sollen. Und diese meine gestern sorgsam am Kleiderhaken an der Schlafzimmertür bereit gehängten Klamotten stürzen jetzt ab. In die Hundekotze. Das war's dann mit der weissen Bluse. Und den Pulli von gestern, den ich notfalls nochmal hätte anziehen können, hat es auch erwischt. 

Die Bluse geht zur Vorwäsche unter die Dusche, wovon Kind Nr. 1 wach wird. Schön wäre es gewesen, wenn er noch 1/2 Stunde länger geschlafen hätte, aber so haben wir jetzt 1/2 Stunde Zeit, über seinen Brotbelag für's Frühstück zu diskutieren, während ich die Spülmaschine ausräume und der Gatte die Hunde rauslässt. Wunderbarerweise ist das Brot tatsächlich auch aufgegessen, bis Kind Nr. 2 eine Stunde später aus dem Bett kriecht und sich bei der Frage, was er frühstücken will, gleich wieder kreischend auf den Boden wirft. Gut, gibt es halt ein Brot mehr in die Brotdose für den Kindergarten.

Den Wäscheberg habe ich zwischendurch bis fast auf den Grund abgetragen und tatsächlich eine für den Tag taugliche Bluse gefunden. Ich bin ja dank der Arbeitsteilung privilegiert, kann Bügeln, während mein Mann das Zähneputzen der Kinder überwacht. Und selber zähneputzen und duschen, während er das Anziehen überwacht. Und mich selber anziehen, während er sie ins Auto bringt, reinsetzt und anschnallt.

Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie alleinerziehende Mütter ihren Morgen bewältigen. Und ihren Tag. Aber meine sonst recht lebhafte Phantasie verweigert hierbei kategorisch jedwede Mitwirkung und wird sofort schreckensstarr. Gottseidank bin ich in dieser Hinsicht wirklich privilegiert! 

8.12.15 09:32


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